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EMOTION – JUNGE BRITISCHE UND AMERIKANISCHE KUNST AUS DER SAMMLUNG GOETZ


30. OKTOBER 1998 BIS 17. JANUAR 1999



Unter dem Titel „Emotion – Junge britische und amerikanische Kunst aus der Sammlung Goetz" stellen die Deichtorhallen charakteristische Werke von 18 Künstlerinnen und Künstlern aus der aktuellen Kunstszene Großbritanniens und der Vereinigten Staaten vor.

Die Münchner Privatsammlung Goetz zählt zu den profiliertesten Sammlungen der Gegenwartskunst in Europa. Ihr „Stammhaus", das 1993 im Münchner Stadtteil Oberföhring von dem Schweizer Architektenduo Herzog & de Meuron als privates Museum erbaut wurde, steht inzwischen im Fokus internationaler Aufmerksamkeit. Das Gebäude, welches in seiner äußeren Erscheinung aus drei präzisen Rechteckformen aus Glas und Holz aufeinandergeschichtet ist, bietet sich bei überschaubaren Abmessungen als idealer Ausstellungsort für die Kunst unserer Zeit an. Die bisherigen Schwerpunkte der Sammlung – die italienische Arte Povera und die „minimalistische Malerei" – sind in der letzten Zeit durch eine überlegte Auswahl der jungen britischen und amerikanischen Kunst ergänzt worden.

Aus einer zunächst privaten Sammlung ist mit der Eröffnung des Hauses von Herzog & de Meuron eine „öffentliche" Institution geworden, die auf Voranmeldung besichtigt werden kann. Doch sind die Bestände der Sammlung Goetz bisher nie als Ganzes gezeigt worden.

„Emotion" zeigt eine Auswahl von Werken junger britischer und amerikanischer Künstlerinnen und Künstler, die in den letzten 5 Jahren Zugang in die Sammlung Goetz gefunden haben. Entstanden ist eine umfangreiche Ausstellung, in der verschiedene Medien zum Einsatz kommen: Stark vertreten sind Film, Video- und Audioarbeiten,weiter fotografische und skulpturale Werke, oft aus ungewöhnlichen Materialien sowie Installationen mit Bild und Ton. Formal lehnen sich viele dieser Arbeiten an die Ästhetik von Mode-, Werbe- und MTV-Welt an, Pop und Underground scheinen hier miteinander zu verschmelzen, um neue Formen zu entwickeln. Verwandtschaften bestehen zur Popmusik, dem zeitgenössischen Film und der Welt des Computers und Internets.

Die beiden „Szenen" – in Großbritannien und in Amerika – werde z. Z. als die lebendigsten Zentren der Gegenwartskunst betrachtet. Zum Erfolg der Kunst aus Los Angeles, New York und London trägt ein aktives Netz von Galerien, Sammlern und Museen bei, aber auch eine Reihe von Kunstschulen wie z. B. das Goldsmith's College in London, an denen sich der künstlerische Nachwuchs schnell im zeitgenössischen „Diskurs" orientieren kann.

Im Hintergrund der jungen britischen und amerikanischen Kunst stehen die beiden bereits „historischen" Impulse: Die Pop Art und die Concept Art. Zwischen den Polen der intellektuell-konzeptuellen Strategien einerseits und der sinnlich wahrnehmbaren Reflexion der Welt von realen und virtuellen Dingen und deren Verknüpfungen zum Leben der Gesellschaft andererseits spannt sich der Bogen dieser Kunst, die oft frech, narzisstisch, aggressiv, kritisch und ironisch auftritt, um durchaus ernstzunehmende Aussagen zu unserer heutigen Situation zu machen.

Beachtenswert ist der hohe Anteil von Frauen, die besonders in dem britischen Teil der Ausstellung vertreten sind. Die verstärkte Rolle der Künstlerinnen bringt nicht nur die Erweiterung des thematischen Spektrums um weibliche, feministische Sichtweisen mit sich, sondern bedeutet zugleich auch die Erhöhung des emotionalen Potentials der gesamten Ausstellung.


Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog in deutscher und englischer Sprache im Cantz Verlag, Stuttgart. Von farbigen Abbildungen begleitet, vermitteln die Texte eine ausführliche Information über die Kunst der späten 80er und der 90er Jahre in den beiden angelsächsischen Ländern (Hrsg. Zdenek Felix, Texte von Daniel Birnbaum, Iwona Blazwick, Yilmaz Dziewior, Carl Freedman, Friedrich Meschede).


Britische Künstler und Künstlerinnen:

Angela Bulloch
Willie Doherty
Tracey Emin
Douglas Gordon
Mona Hatoum
Abigail Lane
Sarah Lucas
Sam Taylor-Wood
Rachel Whiteread


Amerikanische Künstlerinnen und Künstler:

Matthew Barney
Robert Gober
Mike Kelley
Louise Lawler
Sherrie Levine
Cady Noland
Tony Oursler
Richard Prince
Andrea Zittel