ARCHIV
 

ZEICHEN DER MODERNE – KUNST DER GEGENWART AUS DER SAMMLUNG WÜRTH


16. OKTOBER 1998 BIS 17. JANUAR 1999



Unter dem Titel „Zeichen der Moderne" wird in Hamburg eine Auswahl aus der umfangreichen, im Württembergischen Künzelsau beheimateten Sammlung Würth vorgestellt. Die Ausstellung knüpft bewusst an frühere Präsentationen von Privatsammlungen in den Deichtorhallen an: „Standpunkte der Moderne - Emanuel-Hoffmann-Stiftung, Basel" 1991-92; „temporary translation(s) – Sammlung Schürmann“ 1994-95; „Sammlung Sonnabend, New York" 1996; „Stiftung Fröhlich, Stuttgart" 1997 und „Fotosammlung Lambert, Genf" 1998. Diese unterschiedlich strukturierten und ausgerichteten Sammlungen haben es ermöglicht, in den Deichtorhallen jeweils eine Art „Museum auf Zeit" einzurichten. Zugleich boten diese Werkgruppen unterschiedliche, teilweise kontroverse Perspektiven auf die zeitgenössische Kunst an und führten eine Typologie von Sammlungen der Gegenwart vor.

Aus dem beinahe 4000 Objekte zählenden Bestand der Sammlung Würth werden in Hamburg ca. 120 Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen von 41 Künstlerinnen und Künstlern gezeigt. Dank des Entgegenkommens des Sammlers war es möglich, die Auswahl ohne Einschränkung zu treffen und die Künstlerliste völlig frei zusammenzustellen. Als Kriterium diente nicht nur die Qualität, sondern auch die Gelegenheit, mehrere Künstlerinnen und Künstler mit kleinen Gruppen von Arbeiten zu präsentieren und somit die unterschiedlichen Positionen klarer und deutlicher zu machen.

Die Mehrheit der ausgewählten Werke stammt aus der Zeit nach 1945. Dennoch ist der Vorspann der klassischen Moderne keineswegs marginal: Die früheren Arbeiten von Hans Arp, André Derain, Adolf Hoelzel, Alexej von Jawlensky, Emil Nolde und Willi Baumeister zeigen spezifische Aspekte jener Entwicklungen zwischen „Figuration" und „Abstraktion", die in den 20er und 30er Jahren für einen Teil der europäischen Moderne, für deren „Schwebezustand", bezeichnend waren. Auch nach dem Krieg blieb diese „labile Situation" weitgehend vorhanden. In der Hamburger Ausstellung aus der Sammlung Wurth interessiert allerdings nicht das Gesamtpanorama, sondern bestimmte individuelle Positionen. Neben den „figürlich-expressiven" treten gleichwertig die „abstrakt-konstruktiven" Standpunkte hervor. Größere Werkgruppen von Arp, Herbin, Jörn, Leger, Poliakoff und Picasso belegen den kontinuierlichen Wechsel der beiden „Tendenzen" in der Nachkriegszeit. Dagegen stehen Arbeiten von Sonja Delaunay, Hans Härtung, Lucio Fontana und Fritz Winter für die Etablierung des „abstrakten Codes" als „universelle Sprache" in Westeuropa. Die Plastik ist vertreten durch Werkgruppen von Anthony Caro, Alexander Calder und Richard Deacon. Besondere Akzente setzen Werke von Anselm Kiefer, Aurelie Nemour und Jean Fautrier.

Die Ausstellung wird gefördert durch British American Tobacco, Germany.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalogbuch mit Texten von Zdenek Felix, Harald Siebenmorgen, Willi Baumeister, Werner Haftmann und Jean Leymarie
Hardcover, 86 Farbabbildungen, 120 Seiten, Preis DM 39,-.