ARCHIV
 

SAMMLUNG SONNABEND – VON DER POP ART BIS HEUTE. AMERIKANISCHE UND EUROPÄISCHE KUNST SEIT 1954


23. FEBRUAR BIS 5. MAI 1996

 

Die Sammlung Ileana und Michael Sonnabend zählt zu den großen international bekannten Privatsammlungen der Gegenwart. Zeitgleich mit der Galerietätigkeit in Paris. Genf und New York entstanden, umfasst die Sammlung mehrere wesentliche Abschnitte der Kunstentwicklung seit 1954. Da die Erwerbungen in den meisten Fällen kurze Zeit nach dem Entstehen einzelner Werke erfolgten, und später keine nennenswerten Korrekturen des Bestandes vorgenommen wurden, vermittelt die Sammlung ein authentisches Bild der Aktivitäten einer der galeries pilotes der Nachkriegszeit. Neben Leo Castelli, ihrem ersten Ehemann und Wegbegleiter, mit dem sie 1941 von Europa nach Amerika kam, fiel Ileana Sonnabend als Galeristin und Sammlerin im Paris und New York der 60er und 70er Jahre die Rolle der Avantgardegalerie zu.1962 beschloss die naturalisierte Amerikanerin mit ihrem zweiten Mann Michael Sonnabend von New York nach Paris zu wechseln und eine Galerie für die Kunst der unmittelbaren Gegenwart zu eröffnen. Dieses Datum markiert den Anfang einer bis heute andauernden Aktivität, der es darauf ankam, das jeweils Neue zu vermitteln und zu begleiten. Es war kein Zufall, dass die erste Präsentation dem Werk eines 32-jährigen, in Paris kaum bekannten amerikanischen Malers, Jasper Johns, galt. Neben Robert Rauschenberg zählte Johns zu den Entdeckungen von Leo Castelli in den späten 50er Jahren und gehörte somit auch zum Bekanntenkreis von Ileana Sonnabend.Während die französische Kritik und das Publikum noch von der Suprematie der "Pariser Schule" träumten, fing die Galerie Sonnabend an, die aktuelle amerikanische Kunst nach Paris zu importieren. So wurden Jasper Johns' "Flags" wie auch Robert Rauschenbergs "Combine paintings" in den Räumen am Quai des Grand-Augustins 37 für die europäische Öffentlichkeit "entdeckt". Weniger später folgten die ersten Präsentationen der Pop-Künstler wie Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Jim Dine und James Rosenquist. Werke dieser Künstler haben bald Eingang in die Sammlung gefunden.Bedeutsam sind ebenfalls die in der Sammlung vertretenen Beispiele der Minimal Art, wie die Wandobjekte von Donald Judd, eine Wandzeichnung von Sol LeWitt, Neonarbeiten von Dan Flavin, Objekte von John MacCracken und Robert Morris. Eine besonders eindrucksvolle Gruppe bilden dann die Neonstücke von Bruce Nauman und Keith Sonnier aus den Jahren 1968-72, Beispiele einer technoiden, von Ileana Sonnabend als "Electric Art" apostrophierten Kunst, die sich das Reklamemittel Neon zunutze macht.Das erstaunlich frühe Engagement für die italienische Arte Povera fand in der Sammlung Sonnabend seinen Niederschlag in einer Gruppe von herausragenden Arbeiten, der Künstler Mario Merz, Jannis Kounellis und Giovanni Anselmo. Große Aufmerksamkeit der neueren europäischen Kunst gegenüber zeigte die Galerie in der Reihe von Ausstellungen, die seit Beginn der 70er Jahre in New York und Paris stattgefunden haben. Werke der französischen Künstler wie Anne & Patrick Poirier und Christian Boltanski legen von diesem Interesse genauso Zeugnis ab wie die Arbeiten der deutschen Fotokünstler Bernd & Hilla Becher.Zu Beginn der 80er Jahre reagierte die Galerie Sonnabend rasch auf das veränderte Klima innerhalb der internationalen Kunstszene. Besonders die deutsche Malerei, wie sie um diese Zeit auch In New York mit Nachdruck hervortrat, geriet in den Fokus ihrer Aufmerksamkeit. Davon zeugen Bilder von Georg Baselitz, Anselm Kiefer, A. R. Penck, Jörg Immendorf und Albert Oehlen, die Eingang in die Galerie und später auch in die Sammlung fanden. Von der amerikanischen Seite her wurden die Maler Caroll Dunham, Robert Yarber und Terry Winters ins Programm der Galerie aufgenommen.Mit Neugier verfolgten Ileana und Michael Sonnabend auch weiterhin die Veränderungen innerhalb der Kunstszene in New York. Ihr besonderes Interesse galt einer Gruppe von jungen Künstlern, die sich unter dem Stichwort "Neo-conceptualists" auf den Spuren von Marcel Duchamp der Warenästhetik und der Rolle der Kunst als Ware zugewandt haben. Bereits 1986 zeigten sie in einer sehr kontrovers aufgenommenen Ausstellung Werke der vier enfants terribles Ashley Bickerton, Jeff Koons, Peter Halley und Mayer Vaisman. Mehrere charakteristische Arbeiten dieser Künstler haben den Weg in die Sammlung Sonnabend gefunden. Wohl das prägnanteste Beispiel für die "Warenästhetik" der "Neokonzeptualisten" stellt die einem aufblasbaren Gummihasen aus Hong Kong nachempfundene, beinahe zu einer Ikone der 80er Jahre gewordene Edelstahlskulptur "Rabbit", 1986 von Jeff Koons.Der Bogen, den die Sammlung Sonnabend umschreibt, spannt sich über vier Jahrzehnte und verbindet gleich mehrere Generationen von den 50er Jahren bis in die 90er Jahre, von der Pop-art bis heute. Bestimmte Teile der Sammlung sind "historisch" geworden. Ehemals avantgardistische Standpunkte wurden Inzwischen von der Kunstgeschichte vereinnahmt. Ihrerseits hat die Galerie Sonnabend Geschichte "gemacht", indem sie für bestimmte neue Kunst- und Denkformen erst die Öffentlichkeit schuf.Es erscheint ein umfangreicher Katalog im Cantz Verlag, Stuttgart.Künstlerinnen und Künstler:1. Giovanni Anselmo2. Arman3. Richard Artschwager4. John Baldessari5. Bernd und Hilla Becher6. Ashley Bickerton7. Mel Bochner8. Christian Boltanski9. Marcel Broodthaers10. Pier Paolo Calzolari11. Christo12. Wim Delvoye13. Jim Dine14. Caroll Dunham15. Dan Flavin16. Gilbert & George17. Peter Halley18.Jasper Johns19.Jones20. Anselm Kiefer21. Jeff Koons22. Jannis Kounellis23. Barry Le Va24. Sol Lewitt25. Roy Lichtenstein26. Piero Manzoni27. Mario Merz28. Robert Morris 29. Bruce Nauman30. Claes Oldenburg31. Gulio Paolini32. A. R. Penck33. Michelangelo Pistoletto34. Anne et Patrick Poirier35. Robert Rauschenberg36. James Rosenquist37. Haim Steinbach38. Hiroshi Sugimoto39. Cy Twombly40. Andy Warhol41. Matthew Weinstein42. Tom Wesselman43. Terry Winters44. Robert Yarber45. Gilberto ZorioDie Ausstellung wird gefördert durch:Edel Company, HamburgToni Gard, Düsseldorf/Hamburg/Berlin