ARCHIV
 

ROY LICHTENSTEIN


10. FEBRUAR BIS 30. APRIL 1995


In Zusammenarbeit mit dem Solomon R. Guggenheim Museum, New York



Mit den Anfängen der Pop Art Bewegung in den frühen sechziger Jahren begann zugleich eines der originärsten Jahrzehnte in der Geschichte der amerikanischen Kunst des 20. Jahrhunderts. Während dieser Periode legitimierten Roy Lichtenstein, Andy Warhol und andere Maler Inhalte aus Populärkultur und Massenmedien und revolutionierten dabei zugleich die bildenden Künste. 1961 produzierte Lichtenstein seine ersten Pop Paintings, die Bilder und Motive aus den Medien aufnahmen. Er konzentrierte sich in erster Linie auf das Cartoon, den Comic Strip: teils wegen seines plakativen Effekts, teils, weil ihn die Reibungspunkte zwischen dem Alltäglichem und der Kunst reizten. Seine lakonische Wiedergabe von Konsumgegenständen, alltäglichen Ritualen sowie von Kriegs- und Kitsch-Comics läutete die neue Bewegung ein und unterstrich gleichzeitig die verlogene Wirklichkeit der amerikanischen Nachkriegsgesellschaft.

Lichtenstein hat nachfolgende Generationen amerikanischer Künstler stark beeinflusst – von den Konzept-Künstlern, die in den späten sechziger Jahren hervortraten, bis hin zu Künstlern der jüngeren Zeit, die mit angeeigneten Materialien und Sujets arbeiten. Damit setzte er einen Dialog fort, der in unserem Jahrhundert mit dem Kubismus begann und durch Arbeiten von Künstlern Wie Barbara Kruger, Jenny Holzer, Christopher Wool, Lorna Simpson und anderen eine Erneuerung erfahren hat. Zu einer Zeit, in der Kunstwerke, die sich mit Fragen gesellschaftlicher Stereotypen und Geschlechterideologien beschäftigen, erneut im Brennpunkt des kunsthistorischen Diskurses stehen, kann eine Retrospektive von Lichtensteins Bildern und Skulpturen wichtige historische und ästhetische Einsichten in das Wesen bildlicher Darstellung innerhalb der heutigen Kunst und Gesellschaft liefern.

Die jetzige Lichtenstein-Retrospektive ist die umfangreichste Schau, die jemals von Lichtensteins Werk gezeigt worden ist. Sie baut auf einer Ausstellung seiner früheren Arbeiten auf, die 1969 im Guggenheim-Museum realisiert wurde. Die Schau wird jeden wichtigen Werkkomplex beleuchten und den Fragen der Wahrnehmung nachspüren, die Lichtenstein in seiner Malerei und seinen Skulpturen untersucht hat: beginnend mit den Pop Paintings, durch die siebziger und achtziger Jahre hindurch, als er das ästhetische Mittel der Reproduktion über die Werbung hinaus erweiterte, um Gebiete wie Kunstgeschichte, Architektur und Design mitaufzunehmen. Abschließend sind einige seiner jüngsten "Interior" Paintings zu sehen – vom Ausmaß her seine bisher monumentalsten Werke - bei denen er sich wieder seinem Ausgangspunkt zuwendet und aus der Bildwelt der Medien schöpft, die ihn früher in seiner künstlerischen Laufbahn bereits beschäftigt hat. Ein Hauptteil der Ausstellung widmet sich den Motiven in Lichtensteins Werk: darunter seine Verwendung von Aneignung, Serialisierung, Illusionismus, Farbflächigkeit und Abstraktion.

Während Lichtensteins Gegenstände in höchstem Maße ikonoklastisch sind, bedient er sich bei seinen Arbeitsmethoden ästhetischer Traditionen, die bis zur Renaissance zurückreichen. Es lässt sich vor allem anhand von Lichtensteins Malerei – sie bildet einen Schwerpunkt der Ausstellung - die Spannung, die er zwischen dem dreidimensionalen Gegenstand und der zweidimensionalen Bildoberfläche erzeugt, nachvollziehen. Die Retrospektive will ein lebendiges Forum bieten, das zur Auseinandersetzung mit allen relevanten Themen in der Kunst von Roy Lichtenstein wie Stil, Form und Inhalt, einlädt.

Von Diane Waldman, Deputy Director und Senior Curator des Guggenheim Museums in New York, konzipiert, zeigt die Retrospektive charakteristische Bilder und Skulpturen, die aus zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen der USA und Europa stammen.

Die Ausstellung ist bisher in New York, Los Angeles und Montreal gezeigt worden. Drei europäische Stationen folgen der amerikanischen Tournee: Haus der Kunst, München; Deichtorhallen Hamburg und Palais des Beaux-Arts, Brüssel.

Mit dieser Schau präsentieren die Deichtorhallen zum ersten Mal im norddeutschen Raum ausführlich das Werk von Roy Lichtenstein.


Die Ausstellung wird gefördert durch:

Edel Company, Hamburg
Toni Gard, Düsseldorf/Hamburg/Berlin