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DER ZERBROCHENE SPIEGEL − POSITIONEN ZUR MALEREI

15. OKTOBER 1993 − 2. JANUAR 1994

Kuratoren: Kasper König & Hans-Ulrich Obrist

"Der zerbrochene Spiegel" ist Bestandteil einer Triade von thematischen Ausstellungen, die 1993 als besondere Akzente innerhalb des Programms der Deichtorhallen erscheinen: MEDIALE – Feuer, Wasser, Erde, Luft (Februar – März); POST HUMAN – Neue Formen der Figuration (März – Mai) sowie DER ZERBROCHENE SPIEGEL – Positionen zur Malerei (Oktober – November) setzen sich zum Ziel, unterschiedliche Bereiche der zeitgenössischen Kunst zu beleuchten und zur Diskussion zu stellen.

"Der zerbrochene Spiegel" ist die erste Ausstellung der letzten Jahre, die sich ausschließlich dem Tafelbild widmet. Die Schau ist das Resultat einer zweijährigen Recherche von Kasper König und Hans-Ulrich Obrist, die anhand zahlreicher Atelierbesuche vorbereitet, zu einer werkorientierten Auswahl geführt hat.

Auffällig an der jetzigen Situation ist, dass die offensichtliche Aufsplitterung der Malerei in Einzelpositionen (von einem neuen Trend zur Malerei wie es in den späten 70er bzw. frühen 80er Jahren der Fall war, kann heute nicht die Rede sein) mit ihrer jeweilig spezifisch-lokalen Identität einem sehr hohen Informationsstand gegenübersteht, der an dezentralisierten Stellen genauso gegeben ist wie in den wenigen Zentren. In diesem Spannungsfeld situiert, ist "Der zerbrochene Spiegel" eine kritische Bestandsaufnahme der Möglichkeiten von Malerei heute.

Dem Hauptteil der Ausstellung mit jeweils einer Werkgruppe aus den letzten zwei bis drei Jahren stehen drei Hommagen an die abgeschlossenen Oeuvres von Dick Bengtsson, René Daniels und Gerard Gasiorowski gegenüber. Damit sollen drei selbstreflexiv-zweiflerische Malereipositionen als für die Gegenwart wichtige und trotzdem außerhalb ihres jeweiligen Kontextes selten rezipierte Oeuvres erstmals einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Zusätzlich stellt "Der zerbrochene Spiegel" vier Projekte vor:

1. Speziell für Hamburg wird der Franzose Bertrand Lavier ein ca. 8 Meter langes Boot bemalen.

2. Zum ersten Mal in Europa werden die "Thrift Store Paintings" (Bilder vom Trödler) des Amerikaners Jim Shaw gezeigt.

3. 72 Bilder der Berlinerin Maria Eichhorn, die eine im Musée d' Art Moderne de la Ville in Paris durchgeführte Aktion dokumentieren, weisen auf neue kommunikative Funktionen der Malerei hin.

4. Der Franzose Daniel Walravens zeigt seine Recherche als Farben-Ingenieur.

Im Unterschied zu der ersten Station in Wien, wo die Schau in zwei Hallen zu sehen war, zeigen die Deichtorhallen den "Zerbrochenen Spiegel" als einzige deutsche Station an einem Ort: In der 4000 qm umfassenden Nordhalle, die ideale Voraussetzungen – Tageslicht, Raumhöhe und ebenerdige Flächen – für die Präsentation bietet.

Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog, der in der Chronologie der Geburtsjahre (von Eugene Leroy, geb. 1910 bis Britta Huttenlocher, geb. 1962) nebst Abbildungen aller ca. 300 Gemälde Quellentexte zu jedem der 43 Künstler umfasst, zum Preis von 40,- DM.

Die Ausstellung wurde von den Deichtorhallen Hamburg in Zusammenarbeit mit der Kunsthalle Wien, den Wiener Festwochen und dem Museumsquartier mit freundlicher Unterstützung durch die Kulturabteilung der Stadt Wien und dem Bundesministerium für Unterricht und Kunst in Wien erarbeitet.

Künstlerliste:

Philip Akkerman    *1957
Michael Bach    *1953
Georg Baselitz    *1938
Dick Bengtsson    *1936
Herbert Brandl    *1959
Luis Claramunt    *1951
Francesco Clemente    *1952
René Daniels    *1950
Marlene Dumas    *1953
Edward Dwurnik    +1943
Maria Eichhorn    *1962
Helmut Federle    *1944
Günther Förg    *1952
Bernard Frize    *1955
Gerard Gasiorowski    *1930
Leon Golub    *1922
Mary Heilmann    *1940
Britta Huttenlocher    *1962
On Kawara   
Raoul de Keyser    *1930
Per Kirkeby    *1938
Jan Knap    *1949
Maria Lassnig    *1919
Bertrand Lavier    *19
Eugene Leroy    *1910
Joseph Marioni    *1943
Agnes Martin    *1912
Lisa Milroy    *1959
Malcolm Morley    *1931
Walter Obholzer    *1953
Albert Oehlen    *1954
Sigmar Polke    *1941
Arnulf Rainer    *1929
David Reed    *1946
Gerhard Richter    *1932
Ed Ruscha    *1937
Robert Ryman    *1930
Hubert Schmalix    *1952
Jean-Frederic Schnyder    *1945
Jim Shaw    *1952
Antonin Strizek    *1959
Niele Toroni    *1937
Luc Tuymans    *1958
Daniel Walravens    *1944