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BILDER FÜR DEN HIMMEL

3. NOVEMBER 1989 BIS 16. DEZEMBER 1990


Drachen  von einer Formen- und Farbenvielfalt,  wie man sie noch nie gesehen hat, sind vom 3. November an in den Hamburger Deichtorhallen zu sehen: Es sind fliegende Kunstwerke, in denen traditionsreiche Handfertigkeit und moderne malerische Phantasie eine  überraschende Verbindung eingegangen  sind. Hundert Künstler aus Europa, den USA und Japan huldigen der mehr als  ein Jahrtausend zurückreichenden japanischen Drachenbaukunst. Pop und Op, Zero und Concept Art,  Informel und phantastische Malerei treten nebeneinander, aus hundert Beispielen entsteht spielerisch ein Panorama der zeitgenössischen Kunst.

Die Idee zu diesem abenteuerlichen und einzigartigen Unternehmen hatte Mitte der achtziger Jahre der damalige Leiter des Goethe-Instituts in Osaka, Dr. Paul Eubel. Zusammen mit seiner Mitarbeiterin Ikuko Matsumoto gelang es ihm, Künstler von Antes bis Walther, von Buren bis Rauschenberg, von Francis bis Janssen dafür ZU gewinnen. Was sie in ihren Ateliers auf handgeschöpftem Spezialpapier aus Maulbeerbast gestalteten, verwandelten japanische Kunsthandwerker mit grazilem Bambusgestänge in Flugobjekte. Es gelang  ihnen, auch Entwürfe, die sich von allen konventionellen Drachenbauformen gelöst hatten (etwa von Tom Wesselmann oder Niki de Saint Phalle), lufttauglich zu machen: Im April 1989 stieg bei einer "Vernissage am Himmel" in der Stadt Himeji die ganze Kollektion  in die Lüfte.

Nach einer Tournee durch acht japanische Museen hat die Lufthansa die Wunderdrachen unter ihre Fittiche genommen und nach Europa gebracht: "Mit Kunst Grenzen überschreiten", ist eine Prämisse ihrer Kulturförderung. Die Hamburger Deichtorhallen sind nach München, Paris, Düsseldorf und Moskau die fünfte europäische Station der Ausstellung "Bilder für den Himmel", die das Goethe-Institut mit Unterstützung der Lufthansa organisiert. Über Lissabon, Brüssel, Berlin und Kopenhagen wandert sie dann weiter in die USA. Am Ende der Reise sollen die hundert Kunstdrachen auf einer Auktion im New Yorker Guggenheim Museum zugunsten des Katastrophen-Hilfsfonds der Vereinigten Nationen versteigert werden – erhoffter Erlös: zwanzig bis dreißig Millionen Dollar.

Für die Hamburger Deichtorhallen ist es nur ein Jahr nach der viel gefeierten Eröffnungsschau "Einleuchten" die letzte Ausstellung unter der Leitung von Jonn-Erik Berganus, die ihr Start-Konzept sinnfällig macht: Das Hamburger Publikum für das Abenteuer der zeitgenössischen Kunst zu gewinnen, für ihre Vielfalt, Widersprüchlichkeit und Kraft.

Das Hamburger Abendblatt verkauft in seinen Geschäftsstellen (Dammtorstr.1/Mönckebergstr.5) Anstecker für DM 7,- an Kinder und Jugendliche von zehn bis achtzehn Jahren, die zu mehrmaligem Eintritt in die Ausstellung und zur Teilnahme an einem Drachenbau-Wettbewerb berechtigen.

In der Kasematte Nr.9, direkt neben den Deichtorhallen, veranstalten Wolkenstürmer parallel zur Ausstellung „Bilder für den Himmel“ ein vielfältiges Programm. Mit europäischen und japanischen Drachenbauern können Sie Drachenbau und Drachenbemalung erlernen. Ferner erfahren Sie dort mehr über die japanische Papierfalt- und Schriftkunst

Katalog:

Bilder für den Himmel, Kunstdrachen, Hg.: Goethe-Institut Osaka, Vorwort von John-Erik Berganus, Texte von Paul Eubel, Osaka 1990, 406 S., 204 farbige, 6 s/w Abb.