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Wolfgang Tillmans - Aufsicht

28.09.01 - 13.01.02

Mit seinen frühen Fotografien von jungen Leuten seiner Generation, aber auch mit seinen Interieurs, Landschaftsbildern und Stillleben, avancierte der 1968 geborene Wolfgang Tillmans zu einem der einflußreichsten und innovativsten zeitgenössischen Künstler.

Wolfgang Tillmans: Picadilly Line, 2000 - 02

Seit Anfang der 90er Jahre sind seine Arbeiten in zahlreichen Ausstellungen gezeigt und in Magazinen wie i-D, Interview oder Index publiziert worden.

Der Gewinn des renommierten Turner-Preises 2000 in London brachte für den Deutschen die Anerkennung seiner Arbeit als Künstler, dem es gelungen sei, so die Laudatio der Kuratorin Mary Horlock im Katalog der Tate Gallery, "die konventionelle Ästhetik und die Codes der Repräsentation in Frage zu stellen. Tillmans greift unter die Oberfläche der heutigen Kultur und treibt uns an, das gleiche zu tun."

 

Die in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler für die Deichtorhallen konzipierte Ausstellung (28.9.2001 - 13.1.2002) markierte eine neue Phase seiner Arbeit. Von einigen Ausnahmen abgesehen konzentrierte sich die Auswahl auf Fotografien und Inkjetprints der letzten vier Jahre. Diese Einschränkung hatte zuerst mit dem Wunsch des Künstlers zu tun, die Wiederholung älterer, inzwischen erprobter und bekannter Motive, Situationen und Muster zu verhindern, hing aber auch mit der Verschiebung des Gewichts innerhalb des thematischen Spektrums von Tillmans’ Werk zusammen. Am auffallendsten äußerte sich diese Tendenz in der Hinwendung zum "abstrakten", man möchte sagen, formal strenger orientierten Bild. Ausgeprägte kompositorische und formale Aspekte finden sich bereits in seinen früheren Porträts von jungen Leuten, aber auch in seinen Stillleben und Interieurs der letzten Zeit. Gerade jene Fotos, die beim ersten Hinschauen als "Schnappschüsse" erscheinen, sind tatsächlich überlegte und präzise komponierte Bilder, die sich durch eine starke Präsenz des zentralen Motivs auszeichnen. Dieses Motiv, ob nun eine Figur, Obstschale mit Orangen und Tomaten, nackte Körper oder eine hingeworfene Jeans wird zum Fokus der Aufmerksamkeit.

 

Beim Betrachten der neuen, im Labor ohne Kamera, nur unter Einwirken des Lichts entstandenen "abstrakten" Bilder wird deutlich, wie mehrschichtig und auch mehrdeutig diese Arbeiten sind. Im Unterschied zu den klassischen fotografischen "Abstraktionen", den Fotogrammen von Moholy-Nagy oder Man Ray etwa, handelt es sich beispielsweise bei den "Blushes" nicht um programmatische Gegenentwürfe zur Realität, sondern um Projektionen von Wahrnehmungsmustern.

 

In den "Blushes" geht es tatsächlich nicht um das "Verschwinden des Gegenstandes" sondern vielmehr um seine Evokation mittels Licht und dessen Spuren. "Es begann damit, daß ich die Sachen sammelte, die in der Dunkelkammer mißglückt sind ... In all meinen Arbeiten haben Fehler immer eine bedeutende Rolle gespielt. Man könnte fast sagen, daß der Fortschritt immer von Fehlern kommt...", sagt Wolfgang Tillmans.

Die Schau in den Deichtorhallen umfasst acht Rauminstallationen, wobei in einem der Räume die Tillmans Ausstellung zum Turner-Preis in der Londoner Tate Gallery rekonstruiert wurde.

 

Anschließend an die Hamburger Präsentation werden Museen in Turin, Paris und Humlebæk bei Kopenhagen die Ausstellung präsentieren.

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Parallel wurden die Ausstellungen „Elizabeth Peyton“ und „The Contemporary Face“ gezeigt.

Katalog:

Es erschien ein Katalog mit 204 Seiten, 126 farbigen Abbildungen sowie Texten von Georgio Verzotti, einem Interview zwischen Nathan Kernan und Wolfgang Tillmans sowie einem gemeinsamen Vorwort der beteiligten Ausstellungsstationen. Preis in der Ausstellung: € 19,95

(Buchhandelsausgabe: HatjeCantz-Verlag, Ostfildern € 39.88)